Pressemitteilung der Bundesärztekammer
Psychiatrie im Nationalsozialismus
Ärzteverbände starten Spendenaktion für eine Ausstellung zum Gedenken an die Opfer der psychiatrischen Praxis im „Dritten Reich“
Berlin, 30.09.2011
Mindestens 250.000 psychisch Kranke und Behinderte fielen dem sogenannten „Euthanasieprogramm“ zum Opfer. Auch waren Psychiater maßgeblich an der Zwangssterilisierung von mehr als 360.000 – vor allem psychisch kranken – Menschen beteiligt. Jüdische und politisch missliebige Kolleginnen und Kollegen wurden verfolgt und aus Deutschland vertrieben. Welche Rolle die psychiatrischen Fachgesellschaften in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft spielten, ist bislang noch zu wenig aufgearbeitet.
Die Deutsche Gesellschaft für
Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) plant deshalb
gemeinsam mit verschiedenen Verbänden und Organisationen der deutschen
Ärzteschaft – darunter auch die Bundesärztekammer – eine Ausstellung zur
Praxis der Psychiatrie im Nationalsozialismus. Diese soll zunächst in
den Räumen der „Stiftung Topographie des Terrors“ in Berlin und
anschließend an verschiedenen Orten Deutschlands und Europas gezeigt
werden. Zudem sollen umfassende Datenbanken entstehen, die die Namen und
Schicksale der Opfer sowie die Biografien der Täter beinhalten. Die
finanzielle Unterstützung der wissenschaftlichen Begleitung und
Forschungsförderung für ein solches Vorhaben ist von enormer Bedeutung.
Deshalb ruft die deutsche Ärzteschaft zu Spenden für dieses Projekt zur
Aufarbeitung der Rolle von Ärzten im Nationalsozialismus auf. Die
Spendenaktion wird voraussichtlich bis Oktober 2012 andauern.
Quelle: Bundesärztekammer 30.09.2011
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