Pressemitteilung der Bundesärztekammer
Konjunktureinbruch: Kassenfinanzen jetzt zukunftsfest machen
Berlin 20.8.2011
"Die weltweite Konjunkturkrise hat nun auch Deutschland erreicht. Im zweiten Quartal wuchs die deutsche Wirtschaft nur noch um 0,1 Prozent. Hinzu kommt, dass wir die Probleme mit dem Euro noch immer nicht im Griff haben. Unsere Regierungen sind überfordert und sehen zu, wie die Schuldenberge zu Lasten der nachfolgenden Generationen wachsen.
Da nimmt
die Debatte über den derzeitigen Überschuss im Gesundheitsfonds von 1,8
Milliarden Euro geradezu absurde Formen an", sagte der Präsident der
Bundesärztekammer, Dr. Frank Ulrich Montgomery. "Statt angesichts der
miesen Wirtschaftsdaten und eines leider zu erwartenden Verlustes an
sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen Vorsorge für unsere
sozialen Sicherungssysteme zu betreiben, schwadronieren die
Krankenkassen über Beitragssatzsenkungen - und das, obwohl der
Beitragssatz erst zum 1. Januar 2011 nur mit großen politischen Mühen
angehoben werden konnte", kritisierte der BÄK-Präsident. Diese
Forderungen seien kurzfristig und falsch. Die Realität sei eine andere.
"Wir alle wissen: Nach der City BKK soll eine weitere BKK von der
Schließung bedroht sein und bei weiteren 20 Krankenkassen - so munkelt
man - fehlt akut das Geld. Das aber passt mit der Debatte um
Beitragssatzsenkungen nicht zusammen", so Montgomery.
Vielmehr
gehe es um knallharten Wettbewerb. Krankenkassen, die durch
Risikoselektion Überschüsse erwirtschafteten, erhofften sich von einer
Verknappung der Mittel im Gesundheitsfonds eine Verstärkung des
wirtschaftlichen Drucks auf ihre Konkurrenten. Ihnen gehe es nicht um
Wohltaten für Versicherte, ihnen gehe es allein um Wettbewerbsvorteile
für sich selbst. "Dabei wären Beitragssatzsenkungen jetzt völlig
unzeitgemäß - ja sogar gefährlich. Wir wissen alle, dass
Beitragssenkungen - zumal in der sich aus dem Überschuss ergebenden
irrwitzigen Höhe von 0,15 Prozent - schnell genommen, verfrühstückt und
vergessen sind. Sollte allerdings wieder Knappheit im Fonds herrschen,
wird die Wiederanhebung zu einem größeren politischen Manöver. Ein
Unterfangen, dem sich kein Minister und keine Regierung für 0,15 Prozent
unterziehen wird. Da muss zuerst wieder ein kräftiges Defizit im Fonds
anwachsen, bevor der Druck im Kessel der Politik groß genug ist, um
Beitragssatzanhebungen durchzusetzen. Mit allen Folgen der
Verunsicherung unserer Bevölkerung, die das Ende des Sozialstaates vor
Augen sieht.", sagte Montgomery.
Der BÄK-Präsident wies darauf
hin, dass ausschließlich die in den vergangenen Monaten noch recht gute
wirtschaftliche Lage in Deutschland für die gute Finanzlage des Fonds
verantwortlich gewesen sei- "nicht etwa ein besonders wirtschaftliches
Verhalten der Krankenkassen, deren Verwaltungskosten stetig steigen".
Bei einer schwächelnden Konjunktur, würde der Fonds gleich in doppelter
Weise unter Druck geraten. Mit einer sinkenden Beschäftigung und
steigender Arbeitslosigkeit würden sich die Zuführungen in den
Gesundheitsfonds verringern. Zugleich aber würde der Staat bei sinkender
Konjunkturleistung jeden Euro, den er an den Fonds überweist mehrfach
drehen und wenden. "Einen ersten Vorgeschmack darauf hat der
Bundesfinanzminister bei den Beratungen zum geplanten
Versorgungsstrukturgesetz gegeben. Die Mittelknappheit im Fonds kommt
also wie eine Zangenbewegung aus zwei Fronten."
Montgomery
appellierte an die Kostenträger, nicht länger mit kurzfristigen
populistischen Agenturmeldungen nach der Volksmeinung zu schielen und
niedrigere Beitragssätze zu fordern. "Stattdessen sollten vor allem die
Krankenkassen endlich solide Haushaltspolitik im Interesse ihrer
Versicherten betreiben. Und dazu gehört nun mal der schöne alte Satz:
Spare in der Zeit, dann hast Du in der Not..."
Quelle: Bundesärztekammer, 20.08.2011
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